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17.184.565 Artikelanzeigen seit dem 12.08.2005

Und so schütze ich den Winter...

Nachricht von Thomas, Hamburg

vor meiner Butia:

Material:
Styrodurplatten, 40mm (oder Styropor)
Die 40mm Styrodurplatten haben als Vorteil einen überlappenden Falz, sind sehr steif und verwitterungsfest.
Kantholz für die Rahmen
Doppelstegplatte, 10mm
vier Zaunpfähle 7x7 cm (für größerer Konstrukte 9x9 cm)
Rundeisen verzinkt, 12mm
zwei Scharniere, Winkel, Locheisen
Holzschrauben (Pozidrive), große Unterlegscheiben
Dichtband, Silikonmasse

Werkzeug:
Bohrmaschine
Holzbohrer (Stahlbohrer gehen auch)
Akkuschrauber
Eisensäge oder Flex
Metallineal o.ä.
Tapeziermesser

Von den Zaunpfählen vier Stücke a 60-80 cm absägen, pro Stück eine zentrische Bohrung 12mm, gut 25cm tief. Diese Anker am besten vor der Pflanzung im Boden versenken, Plastik über die Stirnfläche, dann unter etwas Erde verschwinden lassen. Mann kann vermutlich auch die üblichen Einschlaganker nehmen, die es bei jedem Baumarkt gibt. So vermeidet man spätere Irritationen im Wurzelbereich. Das ist m.E. besser, als im Spätherbst im nasskalten Boden Pfähle in die Wurzeln zu rammen. Nach etlichen Jahren sind natürlich auch die druckimprägnierten Holzanker "reif", man kann sie dann einfach herausziehen und neue hineinstecken. Die Zaunpfähle bohrt man entsprechend, sie werden dann später mit den auf 50cm gesägt/geflexten Rundeisen auf die Anker gesteckt.

Dach: Aus vier Kanthölzern einen Rahmen zusammenschrauben, Doppelstegplatte (kann man sich beim Kauf gleich passend sägen lassen oder auch selber sägen) auf den Rahmen legen, Schraubenlöcher vorbohren, mit Holzschrauben und Unterlegscheiben festschrauben (nicht anknallen!)
Wenn man zunächst nur einen Regenschutz möchte, steckt man die Zaunpfähle auf die Anker, und befestigt das Dach mit Hilfe von Winkeln/Schrauben. Am besten mit einem Winkel zur Horizontalen, dann kann Kondenswasser ablaufen.

Seitenelemente: vier Rahmen aus je vier Kanthölzern zusammenschrauben(ich habe in Längsrichtung noch eine Latte als Verstärkung mittig eingezogen), Styrodurplatten mit Holzschrauben und Unterlegscheiben draufschrauben. Wenn die Unterlegscheiben stören, kann man farblich passend überpinseln. Seitlich überstehendes Styro mit Tapeziermesser/Lineal abschneiden. Das Styrodur und die Rahmen verstärken sich gegenseitig, solche Flächenelemente sind mechanisch gut belastbar, leicht von einer Person zu transportieren, auch auf einer Leiter noch handhabbar, und haben eine hervorragende Wärmedämmung. Die Kanten von zwei Elementen werden mit Dichtband (zwei Streifen pro Kante) beklebt, die vier Elemente werden dann einfach zu einer Box zusammengeschraubt und mit Winkeln an den Zaunpfählen gesichert.
Auf eine Kante eines Seitenelementes befestigt man mit zwei Scharnieren das Dach.

Fertig ist die Laube!

Einmal gefertigt, lässt sich das System sehr schnell montieren/demontieren, und, da die Einzelteile zweidimensional sind, im Sommer sehr platzsparend verstauen.
Das System ist modular, und lässt sich einfach nach oben aufstocken, die Pfähle können über Rundeisen/Laschen verlängert werden, und eine neues "Stockwerk" von Seitenelementen wird aufgeschraubt. Natürlich muß man ab einer gewissen Höhe seitlich abspannen.
Ich handhabe das so, daß ich bei Tauwetter das Dach auf Kipp stelle, und auf der gegenüberliegenden Seite unten ein schmales Styroelement herausnehme (habe ich bei normalem Wetter nur eingeklemmt). Das gibt eine gute Durchlüftung. Bei längeren Warmperioden nehme ich das Südelement ab, die Sonne wird dann von den verbleibenden drei Wänden reflektiert, Pflanze und Boden erwärmen sich deutlich (aber auch nicht zu stark).
Bei starkem Frost lege ich zusätzlich einen Styro-Deckel unter das Dach, das reduziert die Wärmeabstrahlung und somit den Energiebedarf erheblich.
Ich habe es noch nie ausprobiert, schätze aber, das man eine so "zugemachte" Butia durchaus mal vierzehn Tage einem Thermostat ~3°C anvertrauen kann, wenn man in Winterurlaub möchte. Vierzehn Tage ohne Licht, bei so niedrigen Temperaturen, sind für solche Palmen überhaupt kein Problem.
Ein solcher Winterschutz ist sehr sturmsicher, und auch für exponierte Lagen "auf dem platten Land" geeignet. Und energiesparend, was bei steigenden Energiepreisen in einem langen kalten Winter durchaus eine Rolle spielt. An sonnigen Tagen wärmt die Sonne durch das Dach, nachts hilft die Erdwärme.
Bisher habe ich die Umbauung für die Butia nur 2 - 2,5 Monate im Winter gebraucht. Aber in einem kalten Winter muß man den Anblick evtl. auch etwas länger aushalten. Ich montiere die Box, wenn Temps <= -7°C angesagt sind, und wenn Ende Februar/Anfang März die Fünftageprognose günstig ist, baue ich sie ab.
Ich bevorzuge 24V Heizung, weil 220V im Garten doch ein Risiko (nicht nur für Nagetiere) darstellen. Wenn man höhere Leistung braucht, kann man z.B. ausgediente Computernetzteile verwenden.

Man kann natürlich auch kleben, schweißen, tackern, Rohrgerüste verwenden usw...viele Wege führen nach Rom! Es gibt bestimmt viel bessere Methoden, aber das ist mir so eingefallen. Und es hat bis jetzt geklappt. Wenn jemand wie ich, der in Sachen Holzkonstruktionen zehn Daumen hat so etwas fertig bekommt, kann es wirklich nicht schwierig sein.

Most of all, I did it my way (Hallo Gerdi!)
(Hauptsache, ich hab's auf meine Art gemacht!)

Hier sieht man die Lüftungsöffnung:

PS: Als ich die Box das erste mal aufgestellt habe, gab es gleich anschließend ein bombastisches Feuerwerk - kein Wunder, es war "fünf vor zwölf" in der Sylvesternacht! Man sieht, es klappt auch im Dunkeln und mit Handschuhen.
Der Schampus anschließend hat um so besser geschmeckt! Es wurde ein zünftiges Richtfest.
Aber gut war es schon, denn es wurde recht kalt in der Nacht. Wäre vielleicht eng geworden.


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